Radio – Fach – Chinesisch

Ihr habt euch fürs Radiomachen angemeldet. Gabi hat die Werbetrommel grührt. Im Erstgespräch waren es sieben. Mittlerweile sind es – wenn wir richtig gezählt haben – 12 bis 16. Das ist toll. Das ist es aber nur, wenn jeder was tun und sich einbringen kann.  Da es hauptsächlich Mädchen sind, die sich fürs Radiomachen entschieden haben, werde ich das weibliche „sie“ verwenden.  Die Buben sollen sich nicht ausgeschlossen fühlen, aber es ist einfach lästig mit Schrägstrichen zu schreiben (jeder/e), um so beiden Geschlechtern gerecht zu werden. Also: Ob jede auch wirklich beschäftigt ist, hängt von der Anzahl der Geräte ab (Laptops mit Schnittprogramm, Aufnahmegeräte mit Headsets usw.), die uns zur Verfügung stehen werden. Jede 3er Gruppe, die aus Mund, Auge und Ohr besteht, soll mit einem Laptop und einem Aufnahmegerät arbeiten können: – eine stellt die Fragen, eine andere kontrolliert die Aufnahme und das Auge hat alles unter Kontrolle, hört mit und kann auch Fragen stellen.  Darin besteht schon die erste Herausforderung.  Das Aufnehmen von verwertbaren Audiosignalen erfordert nämlich ebenso praktische Übung wie das Schneiden und Montieren in digitalen Schnittprogrammen. Beides bedarf unterschiedlichster Fertigkeiten. Zuerst aber muss ein Thema gefunden werden, das alle ohne Ausnahme interessiert. Einigen wir uns zB. fürs Erste aufs gegenseitige Kenennlernen und wollen damit on-air gehen, müssen wir die auditiven Steckbriefe, um bei diesem Thema zu bleiben, sicherlich so gestalten, dass die Zuhörer nicht an Knöpfen drehen, um schnell ein anderes Programm zu finden. Was also können wir wie sagen und mit den Elementen des Mediums Radio so aufbereiten, dass notorische Zapper dranbleiben? Welche Fragen müssen wir stellen, dass auch sie sich angesprochen fühlen? Das heißt, dass wir bei allem, was wir machen wollen, immer auch an unsere möglichen Zuhörer denken müssen.
Wir werden einfach von uns ausgehen, da wir selbst ja auch Zuhörer sind. Wann also spitzen wir die Ohren? Wie soll der Wort- und Musikanteil gewichtet sein, wo bedarf es eines Erzählers, wo muss ein Moderator eingreifen? Wie sollen die Bausteine, aus denen eine Radiosendung besteht, angeordnet sein? Hier sind wir beim Rhythmus und den Regeln der Dramaturgie. Dramaturgische Regeln? Was soll das Fachchinesisch? Wir werden uns mit einigen Fachausdrücken herumschlagen müssen. Warum Wörter erfinden, wenn es sie schon gibt? Jedes Fachgebiet hat seine Sprache. Auch das Radio hat eine. Weißt du, was die Begriffe  „Moderation, Jingle, Magazinsendung, Teaser, Drop-In, Opener, Collage, Montage, Trailer“  usw. bedeuten? Wenn du Radio machen willst, kommst du ohne diese Begriffe nicht aus. Sie definieren bestimmte Gestaltungsmöglichkeiten des Mediums, mit denen wir uns im ursprünglichsten Sinn des Wortes  „spielen“ wollen.
Zurück also zu den dramaturgischen Regeln. Du kennst sie aus dem Deutschaufsatz: Einleitung, Hauptteil, Schluss. In der Filmsprache heißt das Hook, Vorspann und 1. und 2.Plot, Abspann usw.. .Du wirfst eine Angel mit einem Köder aus. Bei Radio und Film entscheiden die ersten 30 Sekunden, ob du beim Angebot bleibst oder eben weiter zappst. Hast du den Fisch (Zuhörer) einmal an der Angel, dann musst du die erzeugte Spannung aufrecht erhalten. Darin besteht die Kunst der Dramaturgie, ob du nun schreibst, malst, einen Film drehst oder eine Radiosendung machst. Beim Malen auch? Ja, auch beim Malen eines Bildes beachtest du Regeln oder brichst sie bewusst, um Neues zu schaffen. Gestern zum Beispiel habe ich von einem Schweizer Maler namens Honegger gehört, der sich die Frage gestellt hat, welche Beziehung es zwischen dem Bildträger, also der Wand und dem Bild geben soll. Warum wird die Wand vom Maler so gering geschätzt? Das darf nicht mehr so sein. Also malt er Bilder, die die Wand mit einbeziehen, hängt also Linien auf und macht so die Bedeutung der Wand sichtbar. Kautzig? Ja. Aber es eröffnet ein neues Sehen. So kennt auch das Radio viele dramaturgische Gesetze, die man nur brechen sollte, wenn man sie kennt.

So jetzt mach ich aber Schluss. Schreibt mir, was ihr vom Radiomachen erwartet oder wie ihr eine Sendung gestalten würdet, in welcher ihr euch der Öffentlichkeit vorstellt.

Auf bald

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Über Helmut Hostnig

Lehrer und Radiojournalist

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