Szenische Aufbereitung eines Witzes

Loly hat es in ihrem Posting auf den Punkt gebracht: Der zweite Workshop nämlich hat gezeigt, wie schnell die Gruppe sich als Gruppe zu begreifen begonnen und RADIOPOLY als neue corporate identity angenommen hat, die über Interviews in der Schule und im Weblog – immer selbstsicherer werdend – ihre ersten Auftritte feiert.

Das erste Mal wurden im Plenum auch die Probleme besprochen, die sich für die Jugendlichen aus der Tatsache ergeben, dass sie sich meist ohne Mittagspause vom 3. Bezirk in die Studioräume von WienXetra im siebenten auf den Weg machen, – wenn Interviews durchgeführt werden sollen -, eine ihrer Pausen opfern, und darüber hinaus sogar noch am Freitag nach der Schule mit der betreuenden Lehrerin die sich aus dem Workshop ergebenden organisatorischen Fragen klären müssen. Nachdem wir überein gekommen sind, dass diese Fragen vielleicht auch über E-Mail behandelt werden, sich bei Interviews die Gruppen-mitglieder auch gegenseitig abwechseln könnten, um kein Gefühl der Überforderung aufkommen zu lassen, waren sie – so ernst genommen – alle zufrieden. Vielleicht aber schauen sie irgendwann nicht mehr auf die Uhr und begreifen Radio auch in der Schule als Erholung vom Stress.

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Nach der Besprechung des Weblogs, mit dem sich einige noch nicht wirklich auskannten, habe ich ihnen an einem mit Audacity, – unserem Schnittprogramm – vorbereitetes Atmo aus 6 Elementen gezeigt und die Wirkung besprochen, die über das sorgfältige Schneiden verschiedenster Geräusche, die alle auch über die Link-Tipps in den Tonarchivs zu finden sind, erreicht werden kann. Das hat sie an Unterhaltungsfilme denken lassen, in welchen Szenen mit Hintergrundmusik dramatisiert werden. Vielleicht versuchen sie es nun zu Hause selbst einmal. Das nächste Mal werde ich ihnen 6 Elemente aus dem Tonarchiv vorgeben, die sie so schneiden sollen, dass eine eindeutige Atmosphäre entsteht, in welcher eine Szene eingebettet sein kann: Spital, U-Bahn… (Ein Handygespräch unter Wasser wäre sicher lustig)

Die eigentliche Aufgabenstellung diesmal war die szenische Aufbereitung eines Witzes, den ich im Internet gefunden hatte. Es geht um eine Mutter, deren (abgängige) Tochter einen Brief hinterlassen hat. In diesem Schreiben führt sie alles auf, was Eltern Angst machen kann: Sie schreibt, dass sie einen türkischen Freund habe, dass sie schwanger sei, dass sie Marihuana anbaue, dass ihr Freund Aids habe, dass sie zum Islam übergetreten sei usw. Im Post Skriptum aber hebt sie alles wieder auf und meint, dass es – wie sie ja jetzt bewiesen habe -, Schlimmeres gäbe als das Zeugnis, das auf dem Nachtkästchen liege.

Das schien am Anfang gar nicht so einfach. Damit mehr an diesem dramatischen Geschehen beteiligt sein konnten, erfanden wir noch einen Vater und einen kleineren Bruder oder eine kleinere Schwester und teilten uns in Gruppen auf. Eine Gruppe mit türkischen Teilnehmern sollte das Ganze umdrehen und darstellen, wie eine türkische Familie ein solches Schreiben aufnimmt, wenn die Tochter – wie es in dem zurück gelassenen Brief ja anfangs schien – mit einem Österreicher durchbrennt.

Florian und ich, – die Lehrerin hat mit Zegi und Stefan eine Gruppe gebildet -, haben selten so viel herzhaftes Lachen gehört, wie an diesem Nachmittag.

In der Nachbesprechung wurden die Schwierigkeiten diskutiert, die bei einer szenischen Gestaltung fürs Radio auftreten können.  Es ist gar nicht so einfach, nur Sichtbares auch hörbar zu machen. Die zunehmende Verzweiflung der Eltern beim Lesen des Briefes muss überzeugend gespielt werden, d.h. es müssen Gefühle ausgedrückt werden. Sich zu konzentrieren, bei der Aufnahme nicht mehr zu lachen, sich in das Spiel hinein zu denken, artikuliert auch im Dialekt zu sprechen, auf die Partner zu reagieren, nicht übertreiben usw. Keine leichte Aufgabe. Zegi im O-Ton: Wie kann ich der Lehrerin den Brief aus der Hand reißen? Sie ist doch meine Lehrerin? Auch LehrerInnen einmal in anderen Rollen zu erleben, ist für SchülerInnen ein Erlebnis und kann das Lehrer-Schüler-Verhältnis nachhaltig und schlagartig verändern. Wie gut Zegi’s Lehrerin schauspielern kann, hat nicht nur mich, sondern auch Stefan schwer beeindruckt. Was Fatma draus gemacht hat, ist auch hörenswert. Vor allem ihr hysterisches Weinen, das mich an Klageweiber in antiken Tragödien erinnert hat, ist umwerfend.

Die kleinen Hörbeiträge, die dabei entstanden sind, müsst ihr euch unbedingt anhören! Ich werde sie demnächst ins Netz stellen, obwohl an ihnen noch lange gefeilt werden könnte. Es braucht zB. noch unbedingt einen Erzähler oder Moderator. Das aber das nächste Mal.

Das nächste Mal? Da kommt ein berühmter Opernsänger und zeigt uns, wie man richtig atmet. Da bin ich selbst schon gespannt.

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Über Helmut Hostnig

Lehrer und Radiojournalist

2 Antworten zu “Szenische Aufbereitung eines Witzes

  1. Lilli schenk

    Na die Bilder san ja klasse 😀
    Besser hättet ihr uns nicht drauf bekommen (;

  2. Lilli schenk

    Ich freue mich schon diesen berümten Opernstar kennen zu lernen !! Das wird bestimmt klasse 😀

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