Rhythmische Wortspiele

Eigentlich ist jeder Vokal und Mitlaut in den Worten, mit denen wir uns verständigen, mit Bedeutung aufgeladen. Vor allem dann, wenn wir auch die lokalen Mundarten dazunehmen. Was zB. steckt nicht alles in dem four letter word „WORT“?
Fangen wir mit „W“ an. In der Wiener Mundart ist jemand ein W, der von allen als Opfer ausgenutzt wird. Weh hat aber auch die Bedeutung von Schmerz. Wenn wir jetzt zum W noch das „O“ dazugeben, das als Ausruf des Staunens auch für sich stehen kann, ergibt es das Fragefürwort „Wo?“, aber wenn wir w. o. sagen, meinen wir im Wiener Dialekt „klein beigeben, aufgeben“. Dröseln wir das Wort vom Ende her auf und lassen das W weg, finden wir „Ort“, lassen wir das „t“ weg, kommen wir auf  „Ohr“ und schon haben wir aus vier Buchstaben oder Lautverbindungen 7 unterschiedliche Bedeutungen gefunden, die im „Wort“ mit seinen 4 Buchstaben versteckt sind. Das verleitet zum Spielen mit der Sprache. Natürlich multiplizieren sich die Möglichkeiten, wenn wir uns das Wort in andere Sprachen übersetzen lassen.
Auch mit Anagrammen und Palindromen könnte onomatopoetisch (lautmalerisch) gearbeitet und so mit Sprache gespielt werden.  Die Lautmalerei ist mir ein besonderes Anliegen und dass es Spaß machen kann, allein mit Lauten als kleinsten Sinneinheiten der Sprache zu spielen, hat der letzte Mittwoch und das Hörbeispiel gezeigt, das nun fertig geschnitten ist.   Eine ziemliche Arbeit, wie ihr ja mittlerweile selbst wisst und euch vorstellen könnt, da aus einem halbstündigen Audiofile alles Brauchbare zuerst einmal herausgearbeitet werden muss.

Sprache ist Magie. Mantras (man für Geist oder Denken, tra für Werkzeug: Also Werkzeuge des Denkens) – für uns sinnentleerte Lautverbindungen, wie das Ahata Anahata oder SaNaMaTa -setzen sich aus Silben zusammen, ,,, „bestehen aus wenigen Vokalen und Konsonanten. Jeder Buchstabe besitzt eine bestimmte Schwingung, übt eine spezifische Wirkung aus und hat außerdem eine symbolische Bedeutung. Die meisten Mantras lassen sich nicht wörtlich übersetzen, … Damit sind sie sehr vielschichtig. Mantras erschließen sich nicht einfach nur über den Kopf. Sie verlangen kein rein intellektuelles Verstehen. Sie wollen auch gefühlsmäßig und seelisch erfasst werden. Ein Mantra wird als Urklang über das Sein erfahren …“ Quelle

Hier ein Beispiel: Hi-neh ma-tov u-ma-na-him, she-vet a-chim gam-ja-chad:| Hi-neh ,a-tov. she-vet a chim gam-ja-chad Hi-neh ,a-tov. she-vet a chim gam-ja-chad. Übersetzt: Seht, wie gut und wie  wunderbar es ist, wenn Brüder in Frieden beieinander sind. Aus Psalm 133

Wir werden diese Audioproduktionen Audiogramme nennen, da wir uns ja auch mit Anagrammen spielen. Werft selbst einmal einen Anagrammgenerator an und schaut, was bei einzelnen Wörtern herauskommt, wenn die Buchstaben  nach mathematischem Zufallsprinzip durchgeschüttelt werden. Versucht es einmal mit euren Namen. Ich habe es zB. mit ZUHÖREN versucht. Wisst ihr, welches Wort mir der Anagrammgenerator ausgespuckt hat? ZEHN EURO. soviel also kostet das. Spaß beiseite. Wenn wir die Schöpfungsgeschichte in der Bibel lesen, erfahren wir:  „Am Anfang war das Wort „.  An anderer Stelle: „Und das Wort ist Fleisch geworden!“ Der Schöpfungsakt geht also auf heilige Wörter zurück. Auf Mantras eben.
Versuche dich einmal wieder in deine ersten Lebensjahre zurück zu versetzen. Auch du hast dir Welt fragend über immer neue Wörter angeeignet. Vielleicht sind dir sogar eigene Wortschöpfungen gelungen. Deine Eltern haben gelacht. So aber ist Sprache entstanden. Sie ist ein lebendes Gebilde. Wenn ich euch zuhöre, wenn ihr in den Sprachen eurer Herkunftsländer spricht, entdecke ich viele gemeinsame Wurzeln. Schule, scuola, scola, escuela, school, l’ecole: selbst im türkischen „okula“ ist da u und das l noch da. Das hat den amerikansichen Sprachwissenschaftler Noam Chomsky glauben lassen, dass alle 4000 Sprachen, die jetzt auf der Erde gesprochen werden – 70 sind es alleine in Europa – eine gemeinsame Wurzel haben.

Der berühmte Dirigent und Komponist Leonhard Bernstein, der die Musik für das berühmte Musical „Westside story“ gschrieben hat, versuchte – die Ideen Chomsky’s aufgreifend – Musik mit Sprache zu vergleichen und die Gemeinsamkeiten aufzuspüren. Und die sind erstaunlich. Nimm die Silbe für die Note oder das Alfabet für die Tonleiter und schon erschließt sich dir eine neue Welt.  Der Takt, der Rhythmus, das Motiv, der Satz usw. Nachzulesen in seinem Buch „Musik die offene Frage“, in dem seine Vorlesungen vor StudentInnen der Harvard Universität abgedruckt sind.

Für mich war dieser Mittwoch besonders wichtig, da ich jeden einzelnen von euch duch eine Interviewübung besser kennen gelernt habe.

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Über Helmut Hostnig

Lehrer und Radiojournalist

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