Eindrücke …

Das war ein Erlebnis.

Hier wird großartige Arbeit geleistet.
Wenn man zum ersten Mal direkt mit beeinträchtigten Menschen zusammenkommt, hat man ein vorerst mulmiges Gefühl in der Magengrube. Fragen stellen sich: Was erwartet mich hier? Wie gehe ich damit um? Wie begegne ich dem Umbekannten? Wie soll ich mich verhalten? Kann ich mich verständigen?
Aber dann ist plötzlich alles anders.
Ich habe jetzt einige Tage gebraucht, um meine Eindrücke in Worte fassen zu können. Aber ich will nun probieren zu erzählen, wie es mir dabei ergangen ist.
Zunächst dachte ich, dass in diesem Haus, wo man sich mit Gebärdensprache unterhält, eine unheimliche Stille herrscht. Kinder und Betreuer bewegen sich langsam auf den Gängen und versuchen sich auf ihre Art in ihrer Welt zurechtzufinden. Fällt es mir schwer, mich mit der Situation, beeinträchtigten Menschen gegenüberzustehen und mit ihnen „normal“ umzugehen? Wie werden sie auf mich regieren?
Alles wurde anders.
Die Leute begegneten mir offen und hilfsbereit. Da ich an diesem Tag durch mein „beleidigtes“ Knie kaum Stiegen steigen konnte, durfte ich mit dem Lift in den 3. Stock fahren. Sofort half man mir die richtige Hortgruppe zu finden – und dann das Erstaunlichste: Das Haus war nicht still – die Stimmung war nicht bedrückend – alles war hell und fröhlich. Die Kinder, denen wir begegneten waren alle fröhlich und neugierig auf uns. Meine Berührungsängste waren plötzlich verschwunden.
Man spürte zwar, dass hier etwas anders ist, aber Scheu brauchte man keine zu haben.
Ich durfte eine kleine Gruppe der Radiopoly-Kids in eine Gruppe begleiten, wo wir schwerstbehinderte Kinder besuchen durften. Aber auch hier schwappte uns eine Welle der Sympathie und Geborgenheit entgegen. Wir lernten Kinder und Jugendliche kennen, die sich teilweise nicht selber versorgen können. Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung nicht fähig sind, sich selbst zu versorgen. Ein 15-Jähriger, dessen Sprache wir zwar nicht verstanden, der uns aber durch sein Verhalten zu verstehen gab, dass er sich freute, uns zu sehen – der uns sogar herzlich begrüßte. Wir lernten hier, dass Kinder und Jugendliche viel Liebe und Geborgenheit brauchen und uns, wenn auch kaum merkbar, sehr viel zurückgeben können – und wenn es nur ein unmerkliches Streicheln ihrerseits ist. Die Betreuerinnen haben uns viel erzählt – und man spürte bei jedem Wort, das sie sagten, mit wie viel Geduld und Zuneigung sie ihre Schützlinge betreuen. Die Jugendlichen müssen die Schule und den Hort mit 18-19 Jahren in der Maygasse verlassen. Das ist jedesmal ein Abschied mit Tränen, weil man so viel von sich hergeben muss und die Kinder fest in sein Herz einschließt.
Ich glaube – Radiopoly-Kids – ihr gebt mir recht, wenn ich sage, dass diese Erfahrung in dieser Gruppe zwar für einige bedrückend war, aber wir haben alle gespürt, dass gerade hier so viel Liebe und Zuneigung zu spüren war. Wir haben aber auch gemerkt, wo unsere Grenzen liegen, denn jeder kann solche Gruppen nicht führen – da muss man schon etwas Besonderes sein.
Deshalb auch mein besonderer Dank an die Betreuerinnen dieser Gruppe, die uns so herzlich und offen aufgenommen haben und mit uns ein so gutes Gespräch geführt haben. Es wird ein bleibender Eindruck für uns alle sein, den wir in unsere Zukunft mitnehmen können.

Die Stunden im BIG waren B I G – großartig – einzigartig – ja, lehrreich und auf ihre Art faszinierend.
Alles Gute dem Team und viele schöne Stunden mit euren Schützlingen!

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Über Gabi Pranieß

Kreative Erziehung - das Spiel mit Sprache und Stimme: eine Herausforderung!

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