Halbzeit

Der letzte Mittwoch vor den Semesterferien war auch schon die Halbzeit für unsere Radiopoly-Kids.
Wir haben sehr viel gearbeitet.
Das Märchen wurde nochmals bearbeitet – die Frage stellte sich, ob der Mond männlich oder weiblich ist (und so auch die Sonne), in welchen Sprachen ist es anders, als im deutschsprachigen Raum?

Wir haben über Zeugnisnoten gesprochen – welche Strafen erwarten dich, wenn es mal nicht so ausgeht, wie geplant?

Und schließlich haben wir auch noch ein Lied aufgenommen – ist nicht so einfach ins Mikro zu singen!!!!!

Die Kids bekamen die Aufgabe eine Reportage am letzten Schultag aufzunehmen zum Thema Zeugnis – und Noten. Bin schon gespannt, was da so herauskommt.
Gerade zu diesem Thema kann man ja viel sagen.
Ein Versuch beweist, dass Lehrer sehr unterschiedlich die Arbeiten der Schüler bewerten. So wurde in diesem Versuch an 1000 Lehrer der selbe Aufsatz verteilt mit unterschiedlichen Angaben. Den einen wurde gesagt, dass der Aufsatz von einem Arztsohn geschrieben wurde, den anderen, dass die Arbeit ein Migrantenkind geschrieben hat. Wie glaubt ihr, dass die Bewertungen ausgefallen sind?
Man höre und staune – die Arbeiten des Arztsohnes wurden durchgehend besser bewertet.
Da stellt sich nun die Frage: Wovon ist es abhängig, oder soll es abhängig sein, wie man schriftliche Arbeiten bewertet? Worauf soll man Rücksicht nehmen? Oder soll man auf nichts Rücksicht nehmen und einfach nur nach einem Noten-Punktesystem bewerten?
Lehrer sind auch nur Menschen. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist, die Bewertung durch Noten gerecht ausfallen zu lassen.
Für mich ist wichtig, dass der Schüler die Bereitschaft hat, etwas zu leisten. Gerade in unserem Schultyp muss die Bereitschaft, auch über das Geforderte hinaus etwas zu tun, gefördert und gefordert werden. Die meisten unserer SchülerInnen steigen nach diesem Schuljahr ins Berufsleben ein. Was erwartet sie da?
Ja, genau. Die Bereitschaft etwas mehr zu tun, als nur das Geforderte. Die Bereitschaft, selbstständig die Arbeit zu sehen und eigenverantwortlich darüber hinaus zu arbeiten. Das Interesse an der Arbeit zeigen, indem ich viele Fragen stelle, mich konzentriere und nicht am nächsten Tag wieder alles vergessen habe, wenn mir ein Arbeitsauftrag erklärt wurde( – alles schon da gewesen….). Genau das ist mein Ziel in diesem Jahr, dass unsere SchülerInnen das erkennnen und danach handeln. Konzentrationsfähigkeit, Eigenverantwortung, soziale Kompetenz – sprich: Berufsreife erlangen. Diese Dinge sind nicht mit Noten bewertbar. Wir können nur versuchen unsere Kids aus der Letargie der letzten 8 Schuljahre herauszuholen und ihnen vermitteln, worum es jetzt eigentlich geht. Dafür ist ein Jahr ziemlich kurz,  aber es geht. Bei vielen fällt der Schalter um, wenn sie mehrmals in einem Betrieb geschnuppert haben. Sie begreifen den Sinn hinter den Anforderungen, die man ihnen jetzt stellt. Und wann, wenn nicht jetzt – denn der Beruf, den ich mir ausgewählt habe, soll mir Spaß machen und mich ein Arbeitsleben lang begleiten. Der Beruf ist mein Hobby, denn was ich gern mache, mache ich auch gut.
Die Noten sind demnach eine Bewertung für den Einsatz, für die Leistung, die du bereit warst, zu erbringen. Dein zukünftiger Lehrherr, der dich nicht kennt, kann sehr gut aus den Noten herauslesen, wo deine Interessen liegen und wie hoch dein Einsatzwille ist. Er hat ja vorerst keine andere Möglichkeit seine Entscheidung über deine Anstellung zu treffen.
Deshalb sind Noten schon sehr wichtig. Nur: Geschenkte Noten sind nicht sinnvoll, denn dann wird das Bild von dir bewusst verändert – und die Notengebung wird ins Absurde abgedrängt.
Noten sind demnach nicht überflüssig, sind gut und sinnvoll, auch wenn die SchülerInnen das bis dato nicht wahrhaben wollen. Ob 5 Noten genug sind, mehr oder weniger sein sollen, darüber kann man diskutieren. Aber Noten an sich sind ein Bewertungsgrad, der einige SchülerInnen auch anspornt. Aus diversen Gesprächen mit SchülerInnen über ihre Vorstellungsgespräche, erfahre ich immer wieder, dass nun auch schon die zukünftigen Lehrherren fordern, dass in den Zeugnissen keine 5er oder 4er stehen sollen.
Was aber uns Lehrer nicht dazu auffordern soll, den SchülerInnen die Noten zu schenken – die Wahrheit über die Leistungsvbereitschaft lässt nicht lange auf sich warten. Und ich sehe keinen Sinn darin, dass unsere SchülerInnen ihre Lehrstelle nach einem Monat verlieren, nur weil sie nicht bereit waren, Einsatzwillen zu zeigen und ihre Leistungsbereitschaft durch die Noten verzerrt wurde.

Das sind meine Gedanken zum Thema Noten – deshalb an euch Kids noch kurz der Aufruf: Ihr habt jetzt noch die Möglichkeit, allles anders aussehen zu lassen. Schlechte Noten lassen sich verbessern. Man ist kein gebranntes Kind, wenn im ersten Halbjahr etwas schief gegangen ist. Umdenken ist angesagt. Nicht der „fade“ Gegenstand oder der/die LehrerIn sind Schuld an deinem Versagen – wir möchten nur gute Noten verteilen. Dann macht Unterrichten und das Arbeiten mit euch richtig Spaß. Und ihr werdet dann merken, dass es euch auch Spaß machen wird, mit uns zu arbeiten.
In diesem Sinnne …..  eure Lehrerin Pranieß Gabi (vielleicht können wir darüber auch online diskutieren – bis bald)

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Über Gabi Pranieß

Kreative Erziehung - das Spiel mit Sprache und Stimme: eine Herausforderung!

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