Was soll das?

In einer Nacht-und Nebelaktion wurden in den letzten Februartagen vom Stadtschulrat Wien alle Mehrdienstleistungen gestrichen und in Ermangelung von Personal Teamteaching gekürzt, geteilte Turnklassen zusammen gelegt, Förderkurse gecancelt, mussten Stundenpläne und Lehrfächerverteilungen umgeschrieben werden. Überfallartig – und von der Diktion her keinen Widerspruch duldend – wurden die LehrerInnen davon in Kenntnis gesetzt, dass Randstunden ausfallen werden und sie sich wie in Billafilialen auf Schulhopping einstellen werden müssen. Kurzum: Wieder wird gestrichen und gekürzt, was  SchülerInnen an Zusatzangeboten wie zB. Radiomachen Spaß macht, ihre Kreativität und vielbeschworene Sozialkompetenz  fördert oder neben kognitiven Fähigkeiten hilft, ihr Selbstwertgefühl zu steigern.
In immer kürzeren Zeitabständen wird auf Kosten unserer Kinder und Jugendlichen vor allem im Pflichtschulbereich der Rotstift angesetzt, in bestehende Verträge von JunglehrerInnen eingegriffen, was u.a. auch zu erheblicher Rechtsunsicherheit führt.  In Wien betrifft das derzeit 450 Schulen, darunter auch die PTS.
Das ruft die parteigebundenen Gewerkschaften auf den Plan, die in diese Entscheidungen nicht mit eingebunden waren und jetzt mit Unterschriftenlisten wie der der fcg (Fraktion Christlicher Gewrkschafter) an den 450 Standorten die Rücknahme dieser Maßnahmen fordern, die – wie das Schreiben nahelegt – zu“ Verunsicherung, Verärgerung und Demotivierung“ unter den LehrerInenn beitragen. Aus Gesprächen mit KollegInnen aber weiß ich, dass sie nicht nur verunsichert, verärgert und demotiviert sind, sondern empört über die seit Jahren auf sie als Berufsstand einprügelnde Presse, aber auch über ihre Berufsvertretungen, die es nicht verstanden haben, die Anliegen der LehrerInnen in der Öffentlichkeit so zu kommunizieren, dass ihnen nicht reflexartig unterstellt wird, es ginge ihnen nur um ihre „Privilegien“.
Auch finde ich zB. den“Rat, Dienst nach Vorschrift zu leisten und keinesfalls zu versuchen, die ausgefallenen Ressourcen durch erhöhten persönlichen Einsatz auszugleichen“, nicht sehr hilfreich. Das zB. würde für die unser Projekt betreuende Lehrerin heißen, dass sie von den drei Stunden, die sie mit den Jugendlichen im Medienzentrum verbringt, nur eine und eine halbe Stunde verbringen soll und dann nach Hause fahren? Was soll das? Vielleicht sollen in Zukunft soziale Berufe bald nur noch ehrenamtlich ausgeführt werden.

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Über Helmut Hostnig

Lehrer und Radiojournalist

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