Interventionskonzepte gegen Mobbing in der Schule

Da wir uns gerade mit Mobbing, Cyber-Mobbing, Bullying und Happy Slapping beschäftigen, -Phänomene, die an österreichischen Schulen weiter verbreitet sein dürften als im Vergleich mit 33 anderen Mitgliedsländern der OECD und in einschlägigen Publikationen als Prozess  der systematischen Ausgrenzung und Erniedrigung eines  Menschen definiert werden -, haben wir intensive Internetrecherche zum Thema betrieben.
Auffällt, dass diesem Thema  in Deutschland wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als in Österreich, was sich u.a. auch in der Tatsache niederschlägt, dass es trotz einer Bürgerinitiative noch kein Anti-Mobbing-Gesetz gibt. In Deutschlands Schulen gibt es einen Anti-Mobbing Koffer, Informationsbroschüren, Anti-Mobbing-Fibeln und Interventionskonzepte für LehrerInnen und SchulleiterInnen.
Jetzt gäbe die OECD-Studie ja schon Anlass genug, in dieser Richtung tätig zu werden, aber es geschieht bis auf die Safer-Internet-Initiative eindeutig zu wenig. Diese geht nicht etwa vom bmukk oder dem Stadtschulrat aus, nein vom Österreichischen Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT). Wie sorglos  SchülerInnen in den social media Portalen unterwegs sind und was sie dort öffentlich preisgeben, müsste bei PädagogInnen die Alarmglocken schrillen lassen. Sie dafür zu sensibilisieren, dass es keinen schlanken Fuss macht, sich mit sexyhexi23 als Emailadresse für einen Ausbildungsplatz zu bewerben, gelingt nur in Gegenständen, in denen – wie zB. in Berufsorientierung – die Benutzung der schuleigenen Computer Anlass gibt. Wie man sich aber wehrt, wenn man in der Schule oder auf Facebook gemobbt wird, wissen weder die Mobbingopfer, noch sind die LehrerInnen hinreichend geschult, erfolgreich zu intervenieren. Oft stoßen selbst ausgebildete PsychagogInnen an ihre Grenzen, wenn es um Mobbing oder gar um Cyber-Mobbing geht. Da sind wir LehrerInnen froh, wenn wir auf Infomaterial  zugreifen können, das uns Handlungsanleitungen geben kann.  Nicht zu Unrecht fragt eine Schülerin, wie und woran denn LehrerInnen erkennen, dass in der Klasse jemand gemobbt wird. Gute Frage. Mobbingopfer schämen sich und fürchten – auch das wird in der einschlägigen Literatur bestätigt -, dass es nur noch schlimmer wird, wenn sie sich outen. Sie leiden also lieber still vor sich hin, bevor sie sich einem Erwachsenen anvertrauen. Nicht wenige SelbstmörderInnen waren über einen längeren Zeitraum hinweg Opfer von Demütigungen und Erniedrigungen, und niemand, nicht einmal den Eltern sind Verhaltensänderungen aufgefallen.  Erschreckend ist, dass über 20% der Befragten – wie aus einer Untersuchung von 2115 Teilnehmenden aus 93 Klassen im Alter von 10-19 Jahren in Horst Kasper: Streber, Petzer, Sündenböcke. Wege aus dem Schülermobbing, AOL, 2001, hervorgeht -, meinen, dass  oft die LehrerInnen  selbst  Mittäter von Mobbing sind. Ja, sie können einen Anteil am Entstehen von Mobbing haben, wenn in der Klasse ein schlechtes Lernklima mit überaus starkem Leistungsdruck  herrscht,  wenn SchülerInnen permanent vor der Klasse bloßgestellt und herabgesetzt werden, das Schüler-Lehrerverhältnis schlecht ist, oder sie direkte Hilfe verweigern: zB. „Geht mich nichts an. Facebook? Hat mit der Schule nichts zu tun. Macht euch das untereinander aus.“ Auch SchulleiterInnen sind daran beteiligt, wenn sie sich um den Ruf der Schule besorgter zeigen als um das Schicksal der Mobbingopfer. Aber es soll an dieser Stelle nicht geleugnet werden, dass umgekehrt auch LehrerInnen an ihrem Arbeitsplatz  gemobbt werden, und das nicht nur von ihren SchülerInnen, sondern auch von Teilen eines Lehrkörpers.

Vielleicht kann vorliegende Linksammlung helfen, dem Phänomen  Mobbing nicht mehr so hilflos gegenüber zu stehen. Schärfen wir unsere Sinne. Fehlende Wahrnehmung hat Folgen. Information und Aufklärung sind erste Schritte. Zeigen wir Mobbing die rote Karte! Ein Mittel, um das Klassenklima und die in der Klasse herrschenden gruppendynamischen Prozesse zu erheben, sind Fragebögen. Diesen hier habe ich in der Brandenburger Antimobbing-Fibel gefunden (Horst Kasper: Arbeitsmappe Konfliktmanagement):

Fragebogen

01 Lassen dich andere nicht zu Wort kommen?                             oft         manchmal         einmal           nie
02 Wirst du unterbrochen, wenn du etwas sagen möchtest?
03 Wirst du von anderen angeschrieen?
04 Wirst du wegen deiner Familie, wegen deiner
Freizeitgestaltung oder Hobbys kritisiert?
05 Wirst du am Telefon belästigt?
06 Machen andere abwertende Blicke oder Bewegungen
gegen dich?
07 Machen andere dir gegenüber Andeutungen ohne etwas
genau anzusprechen?
08 Lehnen andere es ab, mit dir zusammenzuarbeiten?
09 Will jemand nicht mit dir sprechen?
10 Verbietet jemand anderen mit dir zu sprechen?
11 Lassen dich andere nicht mitspielen?
12 Wirst du von anderen „wie Luft“ behandelt?
13 Bekommst du Drohungen?
14 Wirst du von anderen bei der Arbeit kritisiert?
15 Verlangen andere, dass du sie bedienst?
16 Musst du anderen deine Hausaufgaben geben?
17 Musst du jemandem die Hausaufgaben machen?
18 Musst du anderen deine Sachen hergeben?
19 Sprechen andere hintenrum schlecht über dich?
20 Macht dich jemand vor den anderen lächerlich?
21 Erklärt dich jemand für dumm?
22 Erzählen andere Lügen über dich?
23 Macht jemand deine Familie oder Herkunft lächerlich?
24 Macht sich jemand wegen deiner Religion lustig?
25 Macht sich jemand über dein Aussehen oder deine
Kleidung lustig?
26 Ruft dir jemand Schimpfworte nach?
27 Rufen sie dich mit kränkenden Spitznamen?
28 Droht dir jemand Schläge an?
29 Droht dir jemand mit einem Messer oder einer anderen
Waffe?
30 Wirst du geschlagen?
31 Nimmt dir jemand Sachen weg?
32 Richtet dir jemand bewusst Schaden an deinen Sachen
an (z. B. Kleidung, Fahrrad)?
33 Wirst du sexuell belästigt?
34 Durch wen und wie?
35 Gibt es noch etwas anderes, was andere machen? Was?

Linksammlung: Bürgerinitiative
Anti-Mobbing-Koffer
Safer-Internet
Aktiv gegen Cyber-Mobbing
Informationen und Materialien zum Thema Cyber-Mobbing
Gewalt in der Schule (Österreich)
Sicherheit im Netz: EU-Initiative
Mobbing im Internet: Spiegelrecherche
Tod eines Teenagers: Spiegelrecherche
Schüler gegen Mobbing
Mobbing in der Schule
Arbeitsblätter

Arbeitsblatt für den Deutschunterricht im EDV-Raum oder als Hausübung:

Aufgabenblatt zum Thema Mobbing
Recherchiere im Internet wie ein richtiger Radio-Journalist zum Thema Mobbing:
Hier ein paar Seiten, die ich euch vorschlage:

http://www.schueler-gegen-mobbing.de/mobbing-in-der-schule/    
http://www.schueler-gegen-mobbing.de/mobbing-faq/
http://www.berufsstrategie.de/bewerbung-karriere-soft-skills/ursachen-mobbing.php
http://www.stangl.eu/psychologie/entwicklung/mobbing.shtml
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/MobbingSchule.shtml

Hier eine Definition, die ich auf einer dieser Seiten gefunden habe; Schreibe sie in einen Moderationstext für eine Radiosendung über Mobbing in deiner Sprache um!

Mobbing kommt vom englischen „mob“ für Meute, randalierender Haufen; „to mob“ heißt pöbeln. Doch nicht jeder Krach, jede Streiterei, Schikane oder Ungerechtigkeit ist Mobbing.
Der Begriff des „Mobbings“ bezeichnet eine Art Psychoterror, also einen Prozeß der systematischen Ausgrenzung und schwerwiegende Erniedrigung eines anderen Menschen, die von einer oder mehreren Personen fortwährend betrieben werden, was meist auch unter der Rubrik „Machtmissbrauch“ einzuordnen ist. Diese feindseligen Handlungen geschehen mit einer gewissen Regelmäßigkeit, also mindestens einmal die Woche und über eine bestimmte Dauer, d.h. mindestens ein halbes Jahr.

.) Beschäftige dich mit Ursachen, Folgen und Lösungsvorschlägen und schreibe
Wissenswertes aus den Internetseiten heraus.
.) Erarbeite einen Fragenkatalog für eine Umfrage in der Schule zum Thema
Mobbing

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Über Helmut Hostnig

Lehrer und Radiojournalist

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