Ihr fladert uns das Herz…

Hier zum Radiobeitrag: LIEBE mit 15! 
Wenn man Jugendlichen Aktivitäten anbietet, die ihren Bedürfnissen entsprechen, sind sie immer diszipliniert, und wir, die  Erwachsenen können im Dialog mit ihnen die auflodernden Buschbrände, die in der Pubertät gehäuft auftreten, löschen helfen.
Letzten Mittwoch wurden wir – wie sooft – wieder einmal Zeugen davon, dass es den Jugendlichen nach kurzer Anleitung durchaus gelingt, eine themengebundene Diskussion zu führen, in welcher sie – in einer ihnen fremden Sprache um Worte ringend – einander zuhören, auf die Gegenargumente eingehen, neue Fragen aufwerfen, Abschweifungen lachend erkennen, und es nach 30 Minuten hitziger Debatte bedauern, dass keine Zeit mehr bleibt, sie weiter zu führen. Zugegeben: Das Thema „Liebe“ ist ein Dauerbrenner gerade für diese Altersstufe, aber es wird nur in informellen Zwiegesprächen, selten in den Peergroups und noch seltener in der Schule  als ein Gegenstand notwendiger Auseinandersetzung be- oder verhandelt. Interessant ist, dass sich die Rollenbilder migrantischer Jugendlicher – wo immer sie herkommen – kaum von unseren damals  vor 40 Jahren unterscheiden.  In Zeiten digitaler Netzwerke wollen und müssen die Mädchen in Chatrooms noch immer darauf warten, von den Jungs zum Chatten aufgefordert zu werden. „Wir kommen uns sonst vor wie Stalker!“, sagen Naomi und Bolenge, beide aus dem Kongo. Buben müssen also noch immer den ersten Schritt tun. Das ist so. Und vergessen dabei ganz, wie sie darauf auch in der Diskussion aufmerksam gemacht werden, dass auch Buben oft schüchtern sind. Die aber werden zu mehr Mut aufgefordert. Bevor ich aber die ganze Diskussion transkribiere, hört selbst hinein. Ein Satz aber noch, der uns Erwachsene verblüfft hat, aber auch gut zeigt, wie gut ein im Kongo aufgewachsenes Mädchen zumindest sprachlich wie mit ana schwoazn Tint’n reden kann, will ich hervorheben. Er sei den Buben und uns Männern hinters Ohr geschrieben. Hier ist er: „Ihr fladert uns das Herz und dann werft ihr es uns gebrochen vor die Füße.“ Das ist Lyrik.

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Über Helmut Hostnig

Lehrer und Radiojournalist

Eine Antwort zu “Ihr fladert uns das Herz…

  1. stephanfriedl

    der radiobeitrag ist euch super gelungen daumen hoch für euch

    Lg Stephan

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