ORF-Interview mit Lorena Zorkic

Da wir morgen und übermorgen den Award of Distinction des Prix Electronica in der Kategorie U19 create your world in Linz entgegennehmen, wurde Lorena vom ORF eingeladen über das Video und seine Entstehung zu plaudern:
http://oe1.orf.at/programm/311462

Abschlussfest im Jugendzentrum

Wie auch letztes Jahr haben wir im Jugendzentrum in der Neustiftgasse von den Kids der RadioPoly2 Abschied genommen. Es gab Pizzen und Burger und zwei Videos, die für diesen Anlass vom Projektleiter erstellt und mit viel Beifall quittiert worden sind, zeigen sie doch blitzlichtartige Aufnahmen, die über das Jahr entstanden sind und wieder in Vergessenheit gerieten.
Udo Sommer vom Medienzentrum hat ein kleines Programm entwickelt, mit dem Gesichtsteile der TeilnehmerInnen von RadioPoly ausgetauscht werden konnten. Das hat natürlich Lachsalven ausgelöst.

Dann übergaben wir die vom bmukk, dem Medienzentrum und der Schule gestempelten und gefertigten Diplome.
Monja verriet uns, dass sie in der Spengergasse Aufnahme gefunden hat, die mit ihrer Teilnahme am RadioPolyprojekt begründet worden ist. Ein Mädchen hat sich für das PTS3 entschieden, weil es dort Radio gibt. Das allein schon sind tolle Erfolge.

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Dankeschön

Der größte Schritt ist der aus der Tür, sagt ein Sprichwort. Ein anderes: Was es ist und was es war, das wird uns erst beim Abschied klar. Ich will mich an dieses halten: Abschiede sind Tore in neue Welten. Auch für das vielstimmige RadioPoly, das ich mit Unterstützung von bmukk und Medienzentrum in Kooperation mit der PTS3 als Projektleiter zusammen mit Florian Danhel und Gabriela Pranieß aus der Taufe heben und zwei Jahre führen durfte. Sie werden es weiter führen und Jugendliche für gemeinsames Tun und kreatives Schaffen gewinnen. Sie werden nicht den gleichen Aufwand betreiben können, da sie mitten im Berufsleben stehen und auch noch eine Familie haben, aber sie werden das Projekt RadioPoly 3 mit der gleichen Begeisterung fortsetzen, die mich in meiner Arbeit mit den in vieler Hinsicht benachteiligten Jugendlichen angetrieben hat. Da bin ich mir sicher.

Nun darf ich Bilanz ziehen und mich bei allen bedanken, die unser Projekt begleitet und unterstützt und zu dem großen Erfolg geführt haben, der nach MLA 2011 und dem Medienpreis des Timelinefestivals in Brianza/Italien am 30.August mit dem Award of distinction im Rahmen des Prix Ars Electronica in Linz gekrönt wird.

Ein herzliches Dankeschön also an den Direktor der PTS3, Lukas Riener, der zusammen mit RnR Franz Haider, Gabriele Woldan und Karl Brousek in den Abteilungen des bmukk dieses medienpädagogische Vorhaben an seiner Schule ermöglicht hat.

Nicht vergessen will ich Anu Pöyskö, Udo Sommer und die anderen MitarbeiterInnen im Medienzentrum Wien, die uns ihre Räumlichkeiten und Ressourcen zur Verfügung gestellt und es uns jeden Mittwoch erlaubt haben, die Ruhe ihres Hauses zu „stören“. Ohne den selbstlosen Einsatz von Florian Danhel, der nicht nur der technische Assistent war, sondern weit über seine eingegangenen Verpflichtungen hinaus auch inhaltlich das Projekt mitgetragen hat, und das großartige Engagement meiner lieben Berufskollegin, Gabriela Pranieß von der PTS3, meinen kongenialen PartnerInnen also, wäre RadioPoly nie dieses Vorzeigeprojekt geworden, mit dem auch andere LehrerInnen bundesweit über ein an der PH-Wien abgehaltenes Seminar für die Radioarbeit gewonnen werden konnten.

Neben den LehrerInnen der PTS3, die mit ihren Wortspenden unsere Radiosendungen bereichert und das Radioprojekt wohlwollend begleitet haben, möchte ich an dieser Stelle auch den vielen Followern unseres Blogs danken. Mit bald 13000 weltweiten Klicks in knappen zwanzig Monaten – übrigens von deutschen Usern fast ebenso oft besucht wie von österreichischen, und mit prominenten Seiten verlinkt – nimmt er mittlerweile – statistisch gesehen – einen Spitzenplatz ein und beweist, dass es durchaus Sinn macht, ein medienpädagogisches Projekt auch über einen Blog zu dokumentieren.

Das allergrößte Dankeschön aber sei den Jugendlichen vorbehalten, jedem einzelnen von ihnen,  Sie strafen alle diejenigen Lügen, die der Ansicht sind, dass mit ihnen nichts anzufangen sei. Wer ihre Blogeinträge gelesen, wer den vielstimmigen und multikulturellen Chor gehört, die Radiobeiträge mitverfolgt, die kurzen Videoarbeiten gesehen hat, ist hoffentlich eines anderen belehrt worden oder weiß nun besser, was für ein kreatives Potenzial in ihnen allen schlummert, zu welcher Empathie sie fähig sind, zu welch tiefschürfenden Gedanken, zu welcher Lust am gemeinsamen Tun, wenn sie sich angenommen und verstanden wissen und man ihnen eine Stimme gibt.
Danke euch allen
Helmut.

Radiosendungen von RadioPoly on air

Nicht vergessen! Heute 19:30 wie jeden Montag im neuen Monat

RadioPoly presents: Mittendrin und doch daneben…

Jetzt ist es fertig unser Video, gerade rechtzeitig zum Abschied und zum Abschlussfest. Auch dieses geht auf Radioarbeit zurück und diente als Tonspur für die visuelle Umsetzung.  Hat Spaß gemacht.  Eure lustigen Einfälle zur Textvisualisierung haben wieder einmal gezeigt, wie viel kreatives Potential in euch steckt. Auch wenn es lustig rüber kommt (heia, auweia, dideldumdei), ich glaube, die Botschaft wird verstanden: (Was für ein Lärmen! Was für ein G’schrei! Es ist, wie es ist, aber es ist nicht in Ordnung!)
Die Lehrerin, Gabriela Pranieß, hat ein ganzes Auto voll mit Kleidern und Utensilien angeschleppt. An dieser Stelle auch ein Dankeschön an die LehrerInnen der Schule, die das Vorhaben mit ihren „Gaben“ eifrig unterstützt haben.
Alles ist Bühne und wir’s Publikum!

Making of:

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Mittendrin und doch daneben! Eine Moritat

RadioPoly verabschiedet sich in diesem Schuljahr mit einer Moritat „Mittendrin und doch daneben“, die sehr entfernt an ein Gedicht von Max Kruse (Mein Glück) angelehnt ist. Der Text entstand nach Gesprächen mit Jugendlichen über ihre Wohn- und Lebenssituation. Aus der Audioarbeit wird noch ein Video entstehen, das wir zum Abschlussfest zeigen wollen.

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Die vier Jahreszeiten onomatopoetisch

Die vier Jahreszeiten sind ein Versuch mit Lautmalerei und dem Wort in den Wörtern. Allein im Wort „Herbst“ haben wir 6 Laute und Lautverknüpfungen gefunden, die allesamt eine Bedeutung haben. Aber hört selbst.

Wiener Charta im Gespräch mit RadioPoly

Am Mittwoch waren Linda und Veneta, zwei ModeratorInnen der Wiener Charta bei RadioPoly zu Gast, um mit den Jugendlichen darüber zu diskutieren, was sie stört oder ärgert, aber auch, welchen Beitrag sie selbst zum besseren Zusammenleben der Menschen in Wien leisten können. Sie beklagten sich darüber, dass vielen Menschen – vor allem in den Bezirken, in welchen sie wohnen (10., 11.) an Sauberkeit nicht gelegen ist und sie oft beobachten, wie im Vorbeigehen die Straße oft zur Müllkippe wird, selbst wenn wenige Meter entfernt ein Mistkübel angebracht ist. Sie seien schon öfter von sogenannten Wastewatchern angesprochen worden, vor allem, wenn sie mit Hunden auf der Straße waren. Das fanden sie gut, forderten sogar höhere Strafen und zeigten sich auch bereit, Erwachsene anzusprechen, wenn sie Park oder Straßen verunreinigen.

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Das Thema Gewalt aber war ihnen ein größeres Anliegen. Sie erzählten von gewalttätigen Übergriffen – meistens von Neonazis, die ohne ersichtlichen Grund über Ausländer oder Schwächere herfallen und sie krankenhausreif prügeln. Vor allem haben die Mädchen Angst noch auf der Straße zu sein, wenn es dunkelt. Einige von ihnen wurden schon des öfteren verfolgt und belästigt und wissen sich dagegen nicht zu wehren. Von Jugendlichen Zivilcourage einzufordern, zu der aus vielen Gründen, aber hauptsächlich aus Angst, selbst zum Opfer eines tätlichen Übergriffes zu werden, nicht einmal die Erwachsenen fähig sind, kann meines Erachtens in keiner Charta festgeschrieben werden. Vielmehr müssten sie darüber aufgeklärt werden, wie sie sich in solchen Situationen verhalten sollen und wo sie Hilfe erhalten könnten. Ob – wie Alex meinte – die verstärkte Präsenz von Polizei in den Straßen oder Parks – ein Ansatz zur Lösung ist, hat – wie sie selbst feststellten – auch damit zu tun, ob Stadt oder Gemeinde so viel Geld in die Hand nimmt, weil auch diese ja wie das Anbringen von mehr Mistkübeln bezahlt werden müsse.
Die Jugendlichen wünschten sich, dass die ältere Generation weniger über sie schimpft und ihnen gegenüber mehr Verständnis zeigt. Wer zB. weiß, dass Monja manche Wochenenden opfert, um in Seniorenheimen unentgeltlich auszuhelfen, Naomi sich freut, wenn sie eine Oma an der Hand nimmt und mit ihr eine verkehrsreiche Kreuzung quert, und Kevin einer Mutter mit Kinderwagen in die Straßenbahn hilft, weil trotz Intervention des Straßenbahnfahrers kein Erwachsener dazu bereit war?
Linda und Veneta jedenfalls protokollierten die wichtigsten Aussagen und versprachen, die besprochenen Themen und Lösungsvorschläge in der Vorbereitung der Charta mit einfließen zu lassen.

Ein Guarani erzählt

Abschließende Gedanken zur vorläufig letzten Radiosendung von RadioPoly

Dem Team von RadioPoly ist es ein großes Anliegen, die Geschichten derer erzählen zu lassen, die vor kurzer Zeit erst oder vor wenigen Jahren nach Österreich gekommen sind, um hier eine neue Heimat zu suchen. Manche der 12 TeilnehmerInnen von RadioPoly sind hier geboren, haben aber auf Grund der Herkunft ihrer Eltern migrantischen Hintergrund. Alle aber sind sie Botschafter ihrer Integrationsbemühungen. Laut Austria Statistik haben in den Standorten der Wiener PTS 61 % der SchülerInenn den Status von Migranten und sind ein- oder sogar mehrsprachig. Interkulturelles Lernen muss daher integrativer Bestandteil von Unterricht und somit auch von Radioarbeit sein, wenn wir als LehrerInnen die bipolare Welt und Gefühlslage der uns anvertrauten Jugendlichen mit multiethnischer Herkunft verstehen wollen. Wohin der Hass auf alles Fremde und die Angst vor Multikulturalität führen kann, haben die rassistischen Übergriffe auf Romasiedlungen in Ungarn, Tschechien und Italien, die Mordserie der Neonazis in Deutschland, aber vor allem der Attentäter von Oslo vor wenigen Monaten gezeigt.  Auch in Österreich, dem ehemaligen Schmelztiegel vieler Völker, hat Fremdenhass Tradition und feiert nach wie vor in manchen Medien und an Stammtischen fröhliche Urständ. Dem gilt es zu wehren, indem wir die Vielfalt an Sprachen und Kulturen als eine Bereicherung begrüßen. Die Integration dieser Jugendlichen aus der zweiten Zuwanderergeneration in die österreichische Gesellschaft ist eine der zentralen Herausforderungen heute und für die Zukunft. Sie kann nur gelingen, wenn ihre Teilhabe am Bildungssystem und ihre Chancen am Arbeitsmarkt gewährleistet bleiben. Die Dropoutquote von Migranten in weiterführenden Schulen ist aber eine der höchsten in den OECD- Staaten, die Durchlässigkeit nach oben kaum gegeben. Von den arbeitslosen Jugendlichen in Wien haben 70% ausländische Wurzeln.
Die Jugendlichen in den PTS spüren, dass sie wenig Chancen haben. Alles, was wir in der Arbeit mit Jugendlichen tun können, ist ihnen zuzuhören und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie willkommen sind.
Radiomachen setzt Zuhören voraus. Es ist ein dialogischer Prozess und denkt den potentiellen Zuhörer schon bei der Sendungsgestaltung mit.  Vielleicht ist unser Zuhören schon viel, sicher aber ist es zu wenig, aber unsere Wertschätzung auf Augenhöhe  ist im Rahmen unserer Möglichkeiten das, was ihnen ein wenig den Frust zu kompensieren hilft, der sich in ihnen aufstaut.
Alan, der als Guarani im Dschungel von Paragauy aufgewachsen ist, erzählt uns seine Geschichte. Da sein Deutsch noch nicht so gut ist, erzählt er sie in der Amtssprache Paraguays, also auf Spanisch, obwohl Guarani eine eigene Sprache ist, die auch in den angrenzenden Nachbarländern von bis zu 7 Millionen Menschen gesprochen wird. Wörter wie Jaguar, Tapir, Ananas oder Maniok stammen aus dieser Sprache, für die es auf Youtube sogar einen Lernkurs gibt. Seine Mutter kam als Botschaftsangestellte über Madrid nach Wien und war 5 lange Jahre von ihrem Sohn getrennt. Mehr sei hier nicht verraten.

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