Ein Guarani erzählt

Abschließende Gedanken zur vorläufig letzten Radiosendung von RadioPoly

Dem Team von RadioPoly ist es ein großes Anliegen, die Geschichten derer erzählen zu lassen, die vor kurzer Zeit erst oder vor wenigen Jahren nach Österreich gekommen sind, um hier eine neue Heimat zu suchen. Manche der 12 TeilnehmerInnen von RadioPoly sind hier geboren, haben aber auf Grund der Herkunft ihrer Eltern migrantischen Hintergrund. Alle aber sind sie Botschafter ihrer Integrationsbemühungen. Laut Austria Statistik haben in den Standorten der Wiener PTS 61 % der SchülerInenn den Status von Migranten und sind ein- oder sogar mehrsprachig. Interkulturelles Lernen muss daher integrativer Bestandteil von Unterricht und somit auch von Radioarbeit sein, wenn wir als LehrerInnen die bipolare Welt und Gefühlslage der uns anvertrauten Jugendlichen mit multiethnischer Herkunft verstehen wollen. Wohin der Hass auf alles Fremde und die Angst vor Multikulturalität führen kann, haben die rassistischen Übergriffe auf Romasiedlungen in Ungarn, Tschechien und Italien, die Mordserie der Neonazis in Deutschland, aber vor allem der Attentäter von Oslo vor wenigen Monaten gezeigt.  Auch in Österreich, dem ehemaligen Schmelztiegel vieler Völker, hat Fremdenhass Tradition und feiert nach wie vor in manchen Medien und an Stammtischen fröhliche Urständ. Dem gilt es zu wehren, indem wir die Vielfalt an Sprachen und Kulturen als eine Bereicherung begrüßen. Die Integration dieser Jugendlichen aus der zweiten Zuwanderergeneration in die österreichische Gesellschaft ist eine der zentralen Herausforderungen heute und für die Zukunft. Sie kann nur gelingen, wenn ihre Teilhabe am Bildungssystem und ihre Chancen am Arbeitsmarkt gewährleistet bleiben. Die Dropoutquote von Migranten in weiterführenden Schulen ist aber eine der höchsten in den OECD- Staaten, die Durchlässigkeit nach oben kaum gegeben. Von den arbeitslosen Jugendlichen in Wien haben 70% ausländische Wurzeln.
Die Jugendlichen in den PTS spüren, dass sie wenig Chancen haben. Alles, was wir in der Arbeit mit Jugendlichen tun können, ist ihnen zuzuhören und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie willkommen sind.
Radiomachen setzt Zuhören voraus. Es ist ein dialogischer Prozess und denkt den potentiellen Zuhörer schon bei der Sendungsgestaltung mit.  Vielleicht ist unser Zuhören schon viel, sicher aber ist es zu wenig, aber unsere Wertschätzung auf Augenhöhe  ist im Rahmen unserer Möglichkeiten das, was ihnen ein wenig den Frust zu kompensieren hilft, der sich in ihnen aufstaut.
Alan, der als Guarani im Dschungel von Paragauy aufgewachsen ist, erzählt uns seine Geschichte. Da sein Deutsch noch nicht so gut ist, erzählt er sie in der Amtssprache Paraguays, also auf Spanisch, obwohl Guarani eine eigene Sprache ist, die auch in den angrenzenden Nachbarländern von bis zu 7 Millionen Menschen gesprochen wird. Wörter wie Jaguar, Tapir, Ananas oder Maniok stammen aus dieser Sprache, für die es auf Youtube sogar einen Lernkurs gibt. Seine Mutter kam als Botschaftsangestellte über Madrid nach Wien und war 5 lange Jahre von ihrem Sohn getrennt. Mehr sei hier nicht verraten.

Bin Baum mit zwei Stämmen

Da wir uns derzeit mit Genderproblematik und in Folge dessen mit Migration beschäftigen, haben wir einen zu diesem Thema abgefassten Text in drei Sprachen übersetzt. Wie geht es zB. türkischstämmigen ÖsterreicherInnen, wenn unsere Mannschaft vielleicht mit einem Ümit Korkmaz gegen die Türkei antreten? Wie geht es Ümit selbst? Wie fühlt sich das an zwei Heimaten zu haben? Der Text, der sich an ein Gedicht von Maria Bender
Lu Sponheimer
anlehnt, unternimmt einen Versuch, sich dieser Gefühlslage anzunähern.

Ich bin ein Baum mit zwei Stämmen anklicken!

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Bin auch Mensch

Rechtzeitig zum Frauentag stellt RadioPoly eine Radiosendung über Genderproblematik der dritten Generation online. Es geht um Treubruch, Zwangsverheiratung, Gewalt gegen Frauen (auch in den Raptexten), um vorehelichen  Geschlechtsverkehr, und um die Frage, welche Einschränkungen  sie als jugendliche Frauen im Unterschied zu den Burschen erleben. Wie sehen die Buben das? Gibt es das gleiche  Recht, die  Gleichbehandlung für Frau und Mann? Welches Rollenverständnis haben Mädchen mit Migrationshintergrund in der dritten Generation? Für Radiopoly ist klar: Noch lange ist nicht alles so, wie es sein sollte, aber trotz bikulturellen Aufwachsens haben sich auch schon türkischstämmige Mädchen von der double-bind-situation befreit, die sowohl durch eine Distanzierung von der Elterngeneration wie auch durch Verpflichtung ihr gegenüber geprägt war. Hier eine interessante Studie mit dem Titel: Mütter und Töchter
Türkische Immigrantinnen zwischen
Ambivalenz und Autonomie

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